Homologie, Konvergenz, Analogie
                   Die Begriffe werden erklärt und am Beispiel Pflanzenorganen (Blüten,Blätter) angewendet. Auch die 3 Homologiekriterien werden genannt

1. Entwicklung des Evolutionsgedankens
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Lamarck, Cuvier, Darwin, Haeckel

2. Homologie
    - Was für eine Bedeutung hat die Homologie für die Evolutionstheorien ?
    - Was heißt Homologie ?
    - Homologie von Pflanzenorganen (Blüten,Blätter)

3. Konvergenz und Analogie
    - Was für eine Bedeutung haben Konvergenz und Analogie für die Evolutionstheorien ?

4. Beispiele für Konvergenz und Analogie

Entwicklung des Evolutionsgedankens

Bis in das 18. Jahrhundert hinein galt die Konstanz der Arten als unumstößliche Lehrmeinung. Selbst der schwedische Naturforscher Carl von Linné (1707-1778), der über ein umfassendes naturwissenschaftliches Wissen verfügte, äußerte sich noch so. Allerdings kamen ihm bei der Aufstellung seines Systems der Pflanzen und Tiere Zweifel, als er "fließende Übergänge" zwischen einzelnen Arten feststellte. Der französische Zoologe Georges de Cuvier (1769-1832) hielt an dieser Vorstellung grundsätzlich fest. Er kannte jedoch die Fossilien aus den Gesteinsschichten im Pariser Becken, wo marine und terrestische Ablagerungen unmittelbar aufeinanderfolgen. Die unterschiedliche Formenwelt in den verschiedenen Schichten, in der er auch eine Höherentwicklung von unten nach oben erkannte, deutete er allerdings als die Folge weltumspannender Katastrophen im Sinne von Sinnfluten. Jede dieser Katastrophen löschte seiner Ansicht nach viele, wenn nicht alle Arten aus. Wiederholte Schöpfungen waren demnach denknotwendig. Obwohl diese Vorstellung dem damals bereits bekannten Aktualitätsprinzip in der Geologie widersprach, setzte Cuvier seine Ansichten auch gegenüber jenen Naturforschern durch, die schon an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert auf Stammbaumbeziehungen der Lebewesen hinwiesen und Faktoren für ihre Auseinanderentwiclung nannten.
Jean- Bapiste de Lamarck (1744-1829) äußerte sich in seiner "Philosophie zoologique" so: "Alles, was ein Lebewesen durch den Einfluss anhaltender Daseinsbedingungen gewinnt oder verliert, wird durch Vererbung erhalten und geht auf die kommende Generation über."
Damit meinte er, dass im Laufe des individuellen Lebens erworbene Eigenschaften vererbt werden. Diese Eigenschaften können die Lebewesen nach Lamarck durch eine Anpassung, wie sie von einer sich ändernden Umwelt ausgelöst wird, erwerben, aber auch durch ein inneres Berstreben, einer bestimmten Umwelt gerecht zu werden. Durch Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Organs kann dieses also entweder leistungsfähiger werden oder verkümmern. So ließen sich rudimentäre Organe erklären, aber auch die Sprungkraft des Tigers und der lange Hals der Giraffe.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts gelang englischen Naturforschern der entscheidende Durchbruch. Ihr bedeutendster Vertreter war Charles Darwin (1809-1882). Von ihm erschien 1859 das Buch "Origin of Species by Means of Natural Selection",
in dem er nicht nur eine überwältigende Fülle von Fakten als Indizien für eine Abstammung der Lebewesen von ursprünglicheren Formen vorlegte, sondern auch auf naturwissenschaftlich faßbare Faktoren des Evolutionsgeschehens hinwies. Seine wesentlichen Aussagen waren:
---- In der Natur findet eine Überproduktion von Nachkommen statt. Trotzdem bleibt die Größe einer Population innerhalb gewisser Grenzen konstant.
---- Die Mitglieder einer Population unterscheiden sich voneinander (Variabilität)
---- Im Kampf ums Dasein hat als Folge der natürlichen Auslese der am besten Angepaßte die größten Überlebenschancen.

Zwei Faktoren sind demnach dir treibenden Kräfte der Evolution:

Erbliche Unterschiede zwischen den Nachkommen, die im Überschuss vorhanden sind Eine Auslese (Selektion) aufgrund des unterschiedlichen Angepaßtseins an die Umwelt.

Die Synthetische Theorie der Evolution

Die Synthetische Theorie der Evolution versteht, Ergebisse aus Genetik und der Evolutionsforschung zusammengefasst, im wesentlichen als Ergebnis zufälliger Mutationen und zufälliger Rekombinationen von Genen einerseits und einer Selektion durch die Umwelt andererseits. Diese Theorie wird auch als Neo- Darwinismus bezeichnet.

 

Homologie

Definition: Ähnlichkeit von Organen, Körperstrukturen und auch Verhaltensweisen bei Lebewesen verschiedener Arten, die auf evolutionärer Verwandtschaft beruht (Abstammungsähnlichkeit)

Während die Beine von Ziege und Rind auf den ersten Blick Übereinstimmungen erkennen lassen, haben beide mit dem Flügel eines Vogels oder dem Grabbein eines Maulwurfs äußerlich kaum Ähnlichkeit. Erst der Vergleich aller vier Gliedmaßenskelette zeigt, dass sie dem gleichen Bauplan angehören. Sie sind nämlich übereinstimmend in Oberarmknochen, Elle und Speiche, Handwurzel-, Mittelhand- und Fingerknochen gegliedert. Neben den Übereinstimmungen gibt es auch Unterschiede, die der jeweiligen Funktion entsprechen. So sind bei Wal und Maulwurf Oberarm, Elle und Speiche stark verkürzt. Das Handskelett des Vogelflügels ist erheblich reduziert.
Trotz unterschiedlicher Ausformung lassen auch andere Organe der Wirbeltiere wie Wirbelsäule, Augen, Verdauungskanal, Lungen usw. erkennen, dass sie sich einem gemeinsamen Grundbauplan zuordnen lassen. So wird in der zunächst unüberschaubar scheinenden Mannigfaltigkeit lebendiger Strukturen doe Gliederung in Typen deutlich.
Beruht die Übereinstimmung von Organen darauf, dass die verschiedenen Organismenarten über gleichartige Erbinformationen verfügen, so nennt man die Organe
homolog. Liegt Homologie vor, so gilt die stammesgeschichtliche Verwandtschaft der verglichenen Organismen als erwiesen.

Die Homologie hat also, wenn man sich die Evolutionstheorien anschaut eine wichtige Aufgabe in der Evolution, da man mit ihr die Verwandtschaft bestimmen kann. Man nimmt sich zwei Lebewesen, z.B. Fuchs und Maus und schaut nach den Übereinstimmungen. So kann man fossile Funde nach Homologiekriterien bestimmen.

Während der Jahrmillionen andauernden Evolution haben viele Organismen mit der gewandelten Lebensweise einen Funktionswechsel ihrer Organe erfahren. Ihr Bau ist der jeweiligen Funktion angepasst worden. Homologe Organe können also höchst unterschiedlich gestaltet sein. Man bedarf deshalb bestimmter Kriterien, um Homologie festzustellen:

1. Das Kriterium der Lage: Zwei Organe sind homolog, wenn sie im vergleichbaren Gefügesystem die gleiche Lage haben. Für die Homologie von Vogelflügel und Maulwurfsbein spricht u.a. die vergleichbare Lage im Skelett beider Tiere.
2. Das Kriterium der Kontinuität: Auch einander unähnliche Organe sind homolog, wenn sie durch eine Reihe von Zwischenformen verbunden sind, die sich ihrerseits homologisieren lassen. Diese Zwischenformen können von lebenden oder fossilen Formen geliefert werden. Die Griffelbeine des Pferdes sind mit den Mittelhandknochen seiner auf mehreren Zehen laufenden Vorfahren zu homolgisieren, weil fossile Zwischenformen die schrittweise Reduktion der Zehen erkennen lassen.
3. Das Kriterium der spezifischen Qualität: Komplexe, aus vielen Einzelelementen aufgebaute Organe sind auch ohne Lagegleichheit homolog, wenn sie in vielen Einzeleinheiten gleichgebaut sind. Mit diesem Kriterium lassen sich isolierte Organe, wie z.B. ein einzelner fossiler Knochen, identifizieren und homolgisieren.

Auch bei Pflanzen können wir homologisieren. Betrachtet man
Keimblätter, Laub-, Blüten- und Staubblätter einer Pflanze, so erkennt man deren Homologie. Man spricht von Blattmetamorphosen, zu denen auch Blattdornen und Blattranken gehören.

Blüte und Blütenstand: Linum flavum (Blüte) und Lindheimera texana (eine Asteracea): Blütenstand. Bei dem hier gewählten Artenpaar sind die Blüte bzw. der Blütenstand etwa gleich groß.

 

 

 

Konvergenz und Analogie

Das Bein eines Hundes stimmt mit dem eines Käfers in der Funktion überein.  Während aber das Hundebein ein Knochenskelett hat, liegt beim Käfer ein chitinhaltiges Außenskelett vor. Hund und Käfer haben verschiedene Baupläne. Nichthomologe Organe mit gleicher Funktion heißen analog.

Die Flügel von Vogel und Insekt zeigen ebenfalls Analogie. Analoge Organe können im laufe der Stammesgeschichte in Anpassung an die gleiche Funktion ähnliche Form und Gestalt entwickeln. Man spricht von konvergenter Entwicklung oder Konvergenz.

 

Ein Beispiel für analoge Organe sind die Ranken verschiedener Pflanzen. Sie sehen einander ähnlich, können aber durchaus auf verschiedene Grundorgane der Pflanze zurückführbar sein. Bei der Erbse sind es die oberen Blättchen des gefiederten Blattes, die sich zu Fadenranken gewandelt haben. Bei der Platterbse ist die gesamte Blattspreite zur Ranke geworden. Die vergrößerten Nebenblätter haben die Funktion der weggefallenen Blätter übernommen. Beim Weinstock und beim Wilden Wein handelt es sich dagegen um Teile der Sproßachse, die zu Ranken umgewandelt sind. Die Vanilla hat Ranken, die aus Wurzeln entstanden sind. Dornen, deren gemeinsame Funktion im Abwehren von Feinden besteht, können ebenfalls aus allen drei Grundorganen der Pflanze entstanden sein.

 

 

 

 

Der Grad der Übereinstimmung analoger Organe ist unterschiedlich, kann aber so hoch sein, daß man die betreffenden Organe fälschlich für homolog halten kann. So tritt das Linsenauge in der Phylogenese (Stammesentwicklung der Lebewesen) sehr verschiedener Tiergruppen als konvergente Entwicklung auf. Es findet sich bei den Wirbeltieren, bei den Tintenfischen, die zu den Weichtieren gehören, und den Polychaeten, also einer Ringelwurmgruppe. Vergleicht man das Linsenauge eines Tintenfisches mit dem eines Wirbeltiers, so erkennt man eine verblüffende Übereinstimmung in bezug auf einzelne funktionelle Strukturen (Augenlider, Iris, Linse, Netzhaut usw.), aber auch in bezug auf das ganze Auge. Man sträubt sich geradezu zu glauben, daß hier fast die gleiche, raffinierte, so außerordentlich sinnvolle Konstruktion mehrfach, unabhängig von phylogenetischer Verwandtschaft, entstanden sein soll. Die Entstehung beider Augen während der Ontogenese ( Entwicklung des Lebewesens von der befruchteten Eizelle bis zur Geschlechtsreife) läßt an diesem Sachverhalt allerdings keinen Zweifel. Eindeutig weist sie beide Gebilde als konvergente Organe aus. Während Netzhaut und Pigmentschicht beim Wirbeltierauge aus einer Vorstülpung des Zwischenhirns hervorgehen, ist die Tintenfisch- Netzhaut der hintere Teil einer Epidermisblase, also ein Oberhautgebilde. Aber nicht nur die Herkunft ist unterschiedlich, auch in der Konstruktion zeigen sich Verschiedenheiten. Die Netzhaut des Wirbeltierauges ist mehrschichtig. Ihre Sehzellen sind vom Lichteinfall weggewandt (invers). Beim Tintenfisch sind dagegen die reizaufnehmenden Fortsätze des einschichtigen Sinnesepithels dem Licht zugewandt, also zur Höhle der Augenblase hin gerichtet (evers).

Quellenangaben:

- Linder Biologie, J.B. Metzler, 20. Auflage, J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart
- Biologie heute S II, Schroedel, Wolfgang Miram und Karl-Hein Scharf, 1981, Hannover
- Evolution, Schroedel, Peter Hoff / Wolfgang Miram, Schroedel Schulbuchverlag, 1987, Hannover
- http://www.i-a-s.de/IAS/botanik/d43/43e.htm