Homo heidelbergensis  Ein Referat von Christian Freier für den Leistungskurs 094 der Bettina-von-Arnim-Oberschule ! Im Auftrag von Herrn Lüder.

Der Unterkiefer von Mauer

Am 21. Oktober 1907 gab die Sandgrube von Grafenrain einen der wichtigsten archäologischen Funde Europas frei, der zu weltweiter Berühmtheit gelangen sollte. Dort, am Nordrand von Mauer, einer Gemeinde 10 km südöstlich von Heidelberg wurde ein fossiler menschlicher Unterkiefer gefunden, der sofort nach seiner Entdeckung durch den Arbeiter Daniel Hartmann als dem "Adam" zugehörig bestimmt wurde.

 

Die Bergung des Unterkiefers war das Ergebnis langjähriger systematischer Arbeit. Maßgeblichen Anteil daran hatte der Heidelberger Professor Otto Schoetensack (1850-1912), der seit 1887 regelmäßig die Sandgrube in Grafenhain besucht hatte und über viele Jahre die dortigen Arbeiter in Anatomie "trainierte"2 und die immer wieder gefundenen fossilen Tierknochen bestimmte. Der Maurer Fund wurde von ihm 1908 als "Homo heidelbergensis" der Wissenschaft bekannt gemacht. Er wird heute zu den Unterarten des Homo erectus gezaählt und als "Homo erectus heidelbergensis" bezeichnet oder in die Gruppe des Homo sapiens eingeordnet und als "archaischer Homo sapiens" geführt. Er scheint die Stammform aller späteren europäischen Menschen gewesen zu sein und wird datiert auf ca. 600.000 Jahre v. Chr.

Der Unterkiefer lag in einer warmzeitlichen Sandschicht, die vom Neckar in einer Mäanderschlinge abgelagert worden war. Diese Sande, mit einer Mächtigkeit von 14m, sind von bis zu 13m starken Löss und Lösslehm-Schichten aus nachfolgenden Eiszeiten bedeckt. Der Fund war bei seiner Entdeckung vollständig, zwei Zähne lösten sich bei der Präparation und gingen während des 2. Weltkrieges verloren. Der Kiefer ist sehr robust und zeigt Verwandtschaft mit dem aus Java und China bekannten Urmenschen. Er gehörte wahrscheinlich zu einem männlichen Individuum, das, vielleicht bei einem Unfall, im Neckar ertrank.

Das Lebensumfeld des Menschen von Mauer lässt sich aus den zahlreichen fossilen Tierknochen aus der Fundschicht erschließen, unter denen sich auch solche von Waldtieren wie Rothirsch, Reh, Wildschwein und Waldelefant, aber auch vom Wildpferd finden. Der Maurer Mensch lebte also in einer offenen Waldlandschaft, wie sie für die warmzeitlichen Klimaphasen der Eiszeit charakteristisch ist.

                                   

Homo erectus war die erste menschliche Spezies, die ihren Lebensbereich in gemäßigte Zonen mit kalten Wintern ausdehnte. Dies geschah vor mindestens 400,000 Jahren in Asien und vor etwa 800,000 Jahren in Europa. Eine der wichtigsten Errungenschaften war die Nahrungsquelle Fleisch, als Ergebnis des Jagens und die Konservierung für die winterliche Ernährung.
Normalerweise reagiert die Evolution auf die Besiedlung von gemäßigten Zonen mit kalten Wintern mit der Anpassung durch isolierendes Unterhautfettgewebe und Behaarung. Homo erectus erreichte offensichtlich dasselbe durch Höhlenunterkünfte und Fleisch als Nahrungsquelle. 

Der Übergang zu unser heutigen Spezies Homo sapiens war erst vor ca. 100,000 Jahren beendet. Aus dem Homo heidelbergensis entwickelte sich der Neandertaler und der Homo sapiens, der zum modernen Menschen wurde.

 

 

 

 


Unterkiefer eines heutigen Menschen              Der "Heidelberger Mensch" Unterkiefer,           (von links nach rechts) Unterkiefer von Schimpansen
von der Seite                                                 ca. 500,000 Jahre alt                                        von heutigen Menschen und vom "homo heidel."

Die Anzahl der Zähne war noch bedeutend höher, doch entwickelte sich schon ein rundes Zahngebiss, mit geraden Zähnen. Beim Schimpansen sind die Eckzähne noch größer und stehen hervor.

Die anatomischen Verhältnisse sind beim H. Heidelbergensis eindeutig  primitiver, als beim Neandertaler oder heutigen Menschen: Das Kinn springt nicht vor, sondern die Knochennaht in der Mitte des sehr kräftigen Kiefers verläuft von den Zähnen aus schräg nach unten und hinten. Der waagrechte Teil, der den Kiefer mit dem Schädel verbindet, ist sehr breit und diente zum Ansatz kräftiger Kaumuskeln. Abgesehen von der Taurodontie, einer Verbindung vergrößerter Markhöhlen und verschmolzener Zahnwurzeln, zeigen die vollständig erhaltenen Zähne keine typischen Merkmale der Neandertaler und die großen Molaren (“Backenzähne”) sind für einen H. erectus zu klein, liegen aber in der selben Größenordnung wie bei manchen heutigen Menschen.

 

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